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Türkische Bäuerinennen verkaufen Ware auf der Strasse

Ländlicher Zauber in der modernen Stadt

Die größte Attraktion in der Türkei sind die Menschen und  das damit verbundene Straßenleben. Auf einer Skala von Eins bis Zehn müssten diese authentischen Szenen ganz oben stehen, während das Mausoleum und so manches Museum sich hinten anstellen müsste.

Darf man das? Darf man Menschen als Attraktion bezeichnen? Ist dies nach westlichen Standarts überhaupt noch politisch korrekt? Legitim? Schwer zu sagen. Aber was sind schon alte Trümmer oder moderne Yachten verglichen mit den authentischen Szenen in den Gassen einer Stadt?

In der Türkei leben die Traditionen auch in mondänen Städten oder Metropolen wie Istanbul weiter. Die Traditionen sind der Schlüssel zur Kultur und will man die Antike verstehen, kann man in der Gegenwart mit seinen Forschungen beginnen. Es reicht ein waches Auge und etwas Zeit.

Die Landfrauen auf dem Foto oben verkaufen gesammelte Kräuter und erklären ihren Kunden, welches Kraut wie anzuwenden ist. Man kann damit kochen, heilen, das Haus schmücken und sich gegen Ungeziefer schützen. Für die Gewürzmischungen gibt es kein Rezept, denn diese werden gemixt, oder angerührt, wie man es halt so macht. Die Frauen haben häufig keinen blassen Schimmer, welch wertvollen Wissensschatz sie mit sich tragen. "Nimm das hier, und du wirst gut schlafen", heißt es, und viele Menschen vertrauen diesem Ratschlag, denn ihre Selbstverständlichkeit vermittelt Kompetenz.

Viele dieser Kräuter werden nach dem regenreichen Winter gesammelt und getrocknet. Das Frühjahr ist die Zeit des Sammelns. Wer das Glück hat, den Landfrauen bei dieser Tätigkeit zuzusehen, wird schnell lernen, dass es im Grunde kein Unkraut gibt, lediglich begrenztes menschliches Wissen. Beobachtet man Straßenhunde, die für ihre Verdauung gelegentlich Gräser kauen, wird man sehen, dass sie sehr nachdenklich selektieren, Grashalm für Grashalm.

Andere Mikrokosmen erschließen sich einem, wenn man sich die Schuhe putzen lässt, oder wenn man den Lotterieverkäufer nach seiner Heimat fragt. Natürlich gibt es die Sprachbarrieren und wenn sie keine Begleitung haben, die für sie übersetzt reicht jedoch schon das Beobachten dieser Menschen und zwar liebevoll und somit nicht aufdringlich.

Die Produkte sind im Übrigen für den Urlauber sehr billig. Die meisten Büschel wechseln für einen Lira den Besitzer.  Wenn sie etwas kaufen und nicht brauchen können sie es weiter verschenken. (Geben ist eine schöne Art der Kommunikation.)

Das Leben in Bodrum findet ca. 10 Monate im Jahr auf der Straße statt und sie entfaltet dann, den wahren Schatz der Türkei - die herkömmlichen Menschen. Keine Sehenswürdigkeit ist so bunt und vor allem kostbar. Schade, dass viele Urlauber diese Zeit nicht aufbringen, oder ihnen diese Bilder ganz verborgen bleiben, da sie in Hotelkomplexen voll versorgt werden.

Für solcherlei Sehenswürdigkeiten braucht es keinen Stadtplan. Ganz im gegenteil. Einfach nur raus auf die Straße, ziel- und planlos durch die Gassen schlendern. Gelegentlich Pause einlegen, Tee trinken und abwarten. Aus der asiatischen Philosofie ist der Spruch bekannt "Have a cup of tea", alles andere wird sich schon ergeben. Viel Spaß dabei.