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Meze - türkische Vorspeisen
Foto: MEZE - türkische Vorspeisen | Copyright: Nilgun Erzik, Istanbul

In Kochbüchern oder Türkei Reiseführern wird Meze meist als Vorspeise übersetzt, was an und für sich richtig ist, aber Meze ist wesentlich mehr. Ein Erklärungsversuch.

Der Artikel Essen in der Türkei erklärt das Wesen des türkischen Esskultur und Meze nehmen dabei eine herausragende und übergeordnete Rolle ein. Meze ist im ganzen Orient und auf dem Balkan vertreten, überall dort, wo Essen ein gesellschaftliches Ereignis ist, und nicht lediglich Nahrungsaufnahme bedeutet.


Auf dem Balkan, beispielsweise, ist "zamesiti" Synonym für Essen. MEZE gab es zunächst im islamisch geprägten Bosnien, wurde jedoch von allen Südslawischen Länden, wie Kroatien, Serbien oder Montenegro adaptiert, weil es eben mehr ist als Vorspeisen. Auf dem Balkan, im Orient und im Nahen Osten herrscht nach wie vor die Kultur "der engen Bande" und diese Verbundenheit wird zu Tisch zelebriert.

Man teilt das wichtigste, nämlich Essen. Zudem ist Essen auch ein Statussymbol. Wenn Sie sich Facebook-Profile von Türken anschauen, werden sie häufig die Mahlzeit vom Vorabend abgebildet sehen, während wir vielleicht Fotos vom neuesten Porsche oder einer aufgefallenen Feriendestination teilen. Hier besinnt man sich eben auf das Essen.

Da das Zusammenkommen abendfüllende Events sind, erfüllt die MEZE den Dienst des Tischfüllers. Mit vielen kleinen Vorspeisen, warm oder kalt, hält man alle Beteiligten bei guter Laune. Meze allein würden völlig ausreichen, denn wenn wir bedenken, dass vielleicht eine Suppe gereicht wird und danach 10 verschiedene Vorspeisen (was nicht ungewöhnlich ist) können wir uns das Ausmaß eines türkischen Abendessens oder Essens vorstellen.

Viele Meze sind zudem sehr aufwendig. Als Beispiel das tscherkessische Huhn dauert, richtig nach Tscherkessenart zubereitet, 2 Tage. Dies ist dann jedoch eine von vielen Vorspeisen. Eine Person allein ist bei der Zubereitung auch überfordert. Deshalb wird bei Einladungen, der Gast meist etwas zu Essen mitbringen. Meze eben, oder eine Nachspeise.

Als Beispiel, neulich wurden wir von unseren Nachbarn eingeladen. Wir waren zu sechst. Die Gastgeberin hatte 7 oder 8 Vorspeisen zubereitet, wir und weitere Gäste brachten ebenfalls Vor- und Nachspeisen mit. Am Tisch hätten sich gut 15 Personen sattessen können, aber niemand fand, dass etwa zuviel Essen auf dem Tisch stand. Als wir gingen gab man uns selbstverständlich Meze mit (damit wir, wenn wir nicht satt wurden, zu Hause weiteressen können).

Dieses Karussel dreht sich im übrigen weiter, denn wenn man das Geschirr zurückbringt, darf der Teller NIEMALS leer sein. Diese Gesten sind wichtige Aspekte des gesellschaftlichen Lebens in der Türkei (weshalb wir einen Abstellplatz für fremdes Geschirr haben, was permanent belegt ist).

Um nun zum eigentlichen Thema zurück zu kehren. Meze werden sowohl warm, als auch heiß serviert, wobei die warme Vorspeise, als Beispiel gebratene Auberginen erkalten dürfen. Man schlingt die heißen Speißen nicht gleich herunter, sondern überlässt sie ihrem Schicksal und isst sie später kalt - wo ist da der Unterschied?

Meze werden in kleinen Schüsseln, Schalen oder länglichen Tellern serviert. Es gibt unzählige Cremes und Brotaufstriche, wie z.B. Tahin (Sesam) Dipps, oder Yoghurt Variationen. Sie kennen das griechische Tsatsiki? Nun das sind ebenfalls MEZE; in dieser Tradition sind Türken und Griechen sich einig. Dann gibt es zahlreiche Cremes, die auf püriertem Gemüse basieren, u.a. Avocado, Bohnen oder Linsen. Eine herausragende Postion nimmt hier der Humus ein, der aus Kichererbsen produziert wird.

Mit diesen Dipps oder Cremes, oder wie immer Sie es nennen möchten, wird frisches Weißbrot, Pide oder wenn Sie Glück haben Kayseri gereicht. Köstlich! Zahlreiches Grünzeug gehört selbstverständlich dazu, wie Salate, oder unverarbeitete Rucolablätter oder Kresse. Der Ruccola, wie auch die Kresse (nicht die Brunnenkresse, sondern Handgroße Blätter) haben in der Türkei solch einen prägnanten Eigengeschmack, dass es ein kulinarisches Verbrechen wäre, diese durch Zutaten zu verhunzen. Etwas Salz, OK, oder ein wenig Zitrone drüber geträufelt - ein Genuß der Sonderklasse. Vor allem die Kresse, die leicht nach Meerrettich schmeckt ist absolut empfehlenswert, allerdings im Sommer schwer erhältlich.

Nun kommen noch diverse eingelegten Meze, wie Dolma. Mit Reis oder Reis und Fleisch gefüllte Blätter, wobei es nicht immer Weinblätter sein müssen, ganz im Gegenteil. Die Hausfrauen auf dem Dorf gehen zur nächsten Wiese und schauen was die Natur aktuell liefert. Das in Deutschland so gut wie ausgestorbene .... wächst in der Türkei in fast jeder Wiese, denn hier werden die Wiesen weder kultiviert nocht sonst wie verunstaltet, man überlässt die Wiese sich selbst und das Ergebnis sind traumhaft geschmackvolles Gemüse, oder Salate. Auch die Brennnessel gehört dazu. In Nordeuropa wird sie aufwendig zerstört und hier weiß man sie zu schätzen. Sie schmeckt, am Rande erwähnt, viel "voller" und besser als Spinat.

Im Grunde wird in der Türkei jedes Lebensmittel auch als Meze verarbeitet und es würde den Rahmen hier sprengen "Listen" zu erstellen. Wir werden nach und nach einige unserer Lieblingsmeze vorstellen, die wir auch über unseren Facebook Kanal kommunizieren werden.

Falls Sie gute Rezepte haben, oder gerne türkisch kochen, können Sie uns gerne ihre Leckereien vorstellen, ggf. können wir ihre Kreationen auch hier veröffentlichen.