Plastiktüten und Müll - Bodrumurlaub.com

Partner

TR24.today

media24.org

Fabalista

Kunst und Kitsch aus 1001 Nacht

Plastikblumen können auch ein schöner Anblick sein
Foto: Plastiktulpen - Müll, nicht immer ein schlechter Anblick | Copyright: Media24.org

Plastikmüll in der Türkei

Wer nach "Umweltverschmutzung durch Plastiktüten in der Türkei" recherchiert, wird bei Google ganz oben in den Suchergebnissen über einen Wikipedia Artikel stolpern, obwohl es dort in nur einer Zeile um die Türkei geht. Dort steht ganz salopp, dass derzeit jeder Türke im Durchschnitt 1,2 Plastikbeutel pro Tag verwendet, "von denen viele nicht ordnungsgemäß entsorgt werden". Letzteres ist ein Indiz, dass der Autor irgendwo zwischen Freiburg und Heidelberg wohnen muss, wo es vermutlich mehr Sondermülltonnen als Igel gibt.

1,2 Beutel pro Tag, mon dieu, allein ein Gemüseeinkauf für eine vierköpfige Familie auf dem Basar verschlingt ca. 20 Tüten, sofern man nicht zu den seltsamen Spezies gehört, die Stoff- oder Mehrwegtaschen immer griffbereit haben. Selbstverständlich hat der umweltbewusste Mensch der nördlichen Hemisphäre, oder aus Istanbul, stets auch einen Rucksack umhängen, wenn er sich auf die Straße begibt. Solche Eigenarten wirken auf die Türken jedoch eher befremdlich und Männer, die sich solchen Bewegungen anschließen; nun lassen wir die Benennung weg, da sie in unsere politisch korrekte Zeit nicht passt.

Um jedoch ernst zu bleiben, Plastikmüll in großen Quantitäten finden wir in der Türkei überall. Vereinzelt gibt es sogar Entsorgungsmöglichkeiten, man muss nur wissen wo, aber der Weg dorthin könnte aufwendig sein. In unserem Dorf gibt es eine Sammelstelle für Flaschen, und seit einigen Jahren ist auch ein Behälter für Plastikunrat geplant. Immerhin! Zwischen Planung und Umsetzung liegt jedoch eine Welt von undurchschaubaren Interessen.

Der Müll wirkt an manchen Plätzen besonders krass und er vermasselt dem aktiven Weltbürger, was durchaus tragisch ist, die Sicht. Die Idylle steckt in Gefahr. Wie soll man Freunden die Bilder aus Pamukkale oder Ephesus schicken, wenn der Müll im Hintergrund das eigene Image malträtiert, "In solch einer Gegend hast du Urlaub gemacht?". Spätestens hier steckt der Tourist in der Zwickmühle, denn soll er nun lügen oder die Umweltverschmutzung beim Namen nennen?

Plastik ist zunächst mal gut für die Menschen in der Türkei. Ja, sie haben richtig gelesen. Es werden damit sehr nützliche Produkte hergestellt und vor allem billig. Wer einen Wochenmarkt besucht, wird viele nützliche Dinge für den Haushalt finden, die weniger als einen EURO kosten. Für die Nordeuropäer mag es chic sein günstig einzukaufen, viele Bürger der Türkei haben jedoch nicht die Wahl. Bedenken wir vielleicht auch, dass die Menschen das Plastik nicht erfunden haben.

Sie kamen auch mit Ton, Stein, Glas oder Stoff gut zurecht, bis die Industrie ihnen das Plastik bescherte. Sie haben sich mittlerweile daran gewöhnt, und nun werden die ausrangierten Dinge irgendwo hin geworfen, wie es bei den alten Materialien ebenfalls geschah. Im Gegensatz zu Ton ist Plastik jedoch nicht kompostierbar. Dies wurde verschwiegen. Bei den stets guten Absichten der Industrie, wohl eher ein Versehen.

Wer weiß, vielleicht werden sich Archäologen in 100 000 Jahren auch über das Eine oder andere Plastikfundstück freuen, sofern Deutschland bis dahin nicht alles recycelt hat. Niemand hat den Menschen erklärt, dass die Produkte, die sie kaufen für die Umwelt gefährlich sind. Lediglich jetzt, da die Industrie wieder auf andere Materialien setzt, Bio und Natur als neuen Renner entdeckt hat, wird darüber gesprochen. Der Konsument reagiert und geschieht dies nicht schnell genug, wird die Moralkeule geschwungen. Im Grunde ist auch hier der moderne Mensch Handlanger der Industrie. Lediglich das Etikett hat sich geändert. Dies steht allerdings jedem frei, nur bitte keine Schlaumeierei und im Namen der guten Tat erneut ferne Länder "kultivieren".

Die Rückkehr zur Qualität hat die ganze Türkei längst erfasst. Es hat sich rumgesprochen, dass Plastik, Pestizide und Sondermüll keine Basis für zukünftige Erträge bietet. Dies haben die Menschen auch begriffen, allerdings hat sich hier eine Marotte eingebürgert, die der Entwicklung entgegenstrebt. Müll wird vom eigenen Grund und Boden beseitigt, notfalls auch in des Nachbars Garten und öffentliche Plätze, Wege und Grundstücke gehören nicht in den Bereich der Schutzbedürftigkeit. Das archaische EGO grassiert.

Bleiben wir aber gelassen, denn schließlich wird manchmal aus Plastik auch Kunst. Schöne Kunst sogar. Plastiken dürfen auch aus Plastik sein. Wieso kann das Metropolitain Museum of Modern Art nicht 100qm Meer mit 1000 Plastiktüten angereichert ausstellen? Es läge auch auf der Hand, das Mittelmeer als Ganzes zu einem Kunstwerk zu erklären?

Wo Schatten, da auch Licht. Es gibt in der Türkei viele abgelegene Strände, die total zugemüllt sind, da sie die letzten 1000 Jahre nicht gereinigt wurden. Seien Sie achtsam, möglicherweise entdecken Sie einen antiken Schatz. Wenn Sie besonders akkurat vorgehen möchten, sammeln Sie möglichst alles ein, denn, man weiß nie?

Ich für meinen Teil mag abgelegene Strände und der Müll sorgt dafür, dass sich dort nicht allzuviele Urlauber ansammeln. Müll kann man auch positiv betrachten. Der Mensch ist schließlich ein flexibles Wesen. Mein Hund freut sich im Übrigen über schwimmende Plastikbeutel im Meer sehr. Er sieht darin "Beute", die er jagt. Diese Bewegung dient seiner Gesundheit und ich habe meinen Spaß. Also, behaupten Sie bitte nie wieder, dass Plastiktüten per se schlecht sind. Es kommt immer auf die Perspektive an.

Dennoch können Sie den Müll, den Sie produzieren, gerne mitnehmen. Wir werden nicht nachtragend sein. Versprochen.

Anmerkung:

Was die ganze Weltpolitik nicht schafft, übernimmt nun ein 19-jähriger Student aus den Niederlanden. Er hat eine äußerst gute und vielversprechende Methode entwickelt, um Plastiktüten aus dem Meer zu fischen. Das "The Ocean CLean Up Project" von Boyan Slat hat bereits die führenden Meeresbiologen überzeugt. Er sucht weltweit noch nach Unterstützung. Sie können somit ganz bequem vom Sofa aus die Welt retten.

Anmerkung Foto oben:

Dieses Tulpenensemble finden Sie am Meeresmuseum in Bodrum. Davor, von wo aus das Foto gemacht wurde, ist eine winzige Teestube, mit lediglich sechs Sitzplätzen, die zwar meist belegt sind, doch sollte zufällig mal ein Stuhl frei sein, nutzen Sie die Gelegenheit. Man spricht nur türkisch, dafür aber recht gut.